Stefanie: "Amerika macht mir noch ein bisschen Angst"

Seit ihrem Durchbruch bei Stefan Raabs Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ Anfang vergangenen Jahres geht die Sängerin Stefanie Heinzmann ihren eigenen Weg. Die rauchige Stimme der Schweizerin erinnert an Joss Stone und Amy Winehouse, ihre Ausstrahlung sorgt mittlerweile sogar in Hollywood für Furore.

Das Mädchen aus den Bergen des Wallis hat vor einer Woche bereits ihr zweites Album heraus gebracht. Sie tourt damit zurzeit noch in der Schweiz, im Januar nimmt sie sich deutsche Konzerthallen vor. Olaf Neumann sprach mit Stefanie Heinzmann über das Album „Roots To Grow“, ihr Treffen mit Metallica und ihre Unlust, sich aufzustylen.

General-Anzeiger: Perez Hilton, der berühmteste Klatschblogger der Welt, berichtet täglich von den Schönen und Reichen Hollywoods - und immer wieder auch von dir. Er findet deine Stimme „zum Niederknien“ und lobt dich als „Schweizer Joss Stone“. Interessieren sich nun auch amerikanische Plattenfirmen für dich?

Stefanie Heinzmann: Es gibt definitiv Reaktionen, aber ich möchte darüber im Moment gar nicht so viel wissen. Amerika macht mir noch ein bisschen Angst. Dafür ist es einfach noch zu früh. Im Dezember und im Januar werde ich wieder in der Schweiz und in Deutschland touren. Vielleicht probieren wir auch mal Frankreich und Italien aus.

GA: Perez Hilton kommentierte deine neue Single „No One“ wie folgt: „Die Emo-Bibliothekarin ist zurück - wir lieben alles an ihr!“ Kannst du mit diesem Spitznamen leben?

Heinzmann: (lacht) Auf jeden Fall kann ich damit leben. Ich nehme das weder als Kompliment noch als Beleidigung. Perez Hilton sieht mich halt so. Ich kann ihm auch nicht widersprechen.

GA: Blonde Mähne, künstliche Fingernägel, pinkfarbener Lipgloss - im Video zu „No One“ präsentierst du dich im Girlie-Outfit à la Paris Hilton. Eine Parodie?

Zitat

„Mein größter Traum ist, Kinder und Kindeskinder zu bekommen und die coolste Oma der Welt zu werden“

Heinzmann: Eigentlich nicht. Damit will ich sagen, dass das vielleicht die Stefanie sein könnte, wenn einiges anders gelaufen wäre. Mit dem Satz „No one can ever change my mind“ will ich sagen, dass jeder so sein darf, wie er will – auch diese Tussi. Nach dem Motto: leben und leben lassen.

GA: Manche glauben, gerade wegen deines „Schnittlauch“-Haares, der Brille und der ausgelatschten Sneakers hättest du den Gesangswettbewerb von Stefan Raab gewonnen. Macht dieses unspektakuläre Aussehen einen Teil des Erfolges aus?

Heinzmann: Keine Ahnung, woran es liegt, dass es für mich gerade so gut läuft. Natürlich werde ich immer wieder gefragt, weshalb ich keinen Minirock und keine High Heels trage.

GA: Was wäre die Antwort?

Heinzmann: Für mich spielt das halt keine große Rolle. Ich brauche keine Style-Berater, da mein Bruder immer dabei ist. Er kennt mich am besten - und meistens sind wir auch gleicher Meinung.

GA: Deine Stimme wird mit Joss Stone und Amy Winehouse verglichen. Kannst du mit den Kolleginnen etwas anfangen?

Heinzmann: Joss Stone ist mein großes Vorbild, auch Amy Winehouse ist unglaublich. Aber ich würde mich selbst nicht mit den beiden vergleichen. Das sollen lieber andere tun.

GA: Neben Joss Stone und Tom Jones bist du auf dem neuen Album „Great American Songbook“ der US-Soulstars Tower Of Power zu hören. Wie ist es dazu gekommen?

Heinzmann: Die Musiker von Tower Of Power haben mich gefragt, ob ich bei ihrer neuen Platte mitmachen wolle. Dann haben sie mir einen Song geschickt. Letztes Jahr bin ich mit ihnen in Zürich aufgetreten. Das war für mich definitiv ein Highlight. Im November ist Tower Of Power noch einmal in der Schweiz. Mal gucken, ob sich unsere Wege dann wieder kreuzen.

GA: Metallica-Schlagzeuger Lars Ulrich lobte deine Version des Metallica-Hits „The Unforgiven“ bei einem persönlichen Treffen. Bei der Echo-Verleihung 2009 bist du gemeinsam mit Lionel Ritchie aufgetreten. Wie begegnest du solchen Superstars?

Heinzmann: Ich war kurz vorm Heulanfall, bevor ich sie traf. Aber schlussendlich sind das echte Profis. Die nehmen einem die Nervosität und sind auch noch total nett. Ich glaube jedoch nicht, dass ich durch das Metallica-Cover irgendwelche Fans aus der Metal-Szene gewonnen habe.

GA: Warum nicht?

Heinzmann: Es gibt Metallica-Fans, die meine Version toll finden, aber ich weiß auch, dass einige Leute total angepisst sind. Man kann es nicht jedem recht machen. Aber Alles in Allem sind die Menschen sehr lieb zu mir. Deshalb fühle ich mich auch nicht eingeschüchtert von der „großen Musikwelt“.

GA: Vor ein paar Tagen erschien das Album „Roots To Grow“. Was wolltest du bei deinem zweiten Soloalbum anders machen?

Heinzmann: Beim ersten Album war für mich alles neu: das Studio, die Produzenten, ich musste die Songs über Nacht einsingen. Jetzt aber kannte ich alles und hatte viel mehr Zeit. Ich konnte eigene Ideen und Wünsche unterbringen und hatte auch den Mut, Dinge auszuprobieren.

GA: War dir von Anfang an klar, welche Fähigkeiten in dir stecken?

Heinzmann: Überhaupt nicht. In der Schule fand ich nie, dass ich singen kann - und ich bekam immer die schlechtesten Noten. In der achten Klasse hatte ich schließlich einen Musiklehrer, der mir riet, Gesangsunterricht zu nehmen und im Chor zu singen. So hat alles angefangen.

GA: Dein Bruder Claudio ist gleichzeitig dein Manager. Schreibt er noch Songs für dich?

Heinzmann: Wir haben jetzt wieder einen Song zusammen geschrieben, aber wir konnten ihn nicht mehr rechtzeitig für die neue Platte aufnehmen. Mal gucken, was wir damit noch machen.

GA: Es gibt wohl keine Geschwister, die noch nie miteinander gestritten haben. Was für ein Verhältnis hast du zum Bruder?

Heinzmann: In erster Linie ist Claudio mein Bruder, in zweiter mein Manager. Wir sind seit eineinhalb Jahren jeden Tag zusammen. Claudio ist alles in einem. Mal schlüpft er in die Rolle eines besten Kumpels, mal in die einer nervigen Mutter. Wenn wir streiten, dann meistens über total lächerliche Dinge.

GA: Was passiert dann?

Heinzmann: Wir schreien uns fünf Minuten an, bis sich einer von uns entschuldigt. Am Ende ist alles wieder gut.

GA: Hast du wieder mit den beiden Produzenten Paul NZA und Marek Pompetzki zusammengearbeitet, die auch Sido betreuen?

Heinzmann: Ja, denn wir sind auf einer Wellenlänge. Es macht echt Spaß, mit den beiden zu arbeiten. Claudio und ich hatten die Idee, dass ich ein Duett mit Gentleman singen könnte. Glücklicherweise hat Gentleman sofort Ja gesagt.

GA: Du hattest dir kürzlich eine Kehlkopfentzündung zugezogen. Willst du deshalb vorerst etwas kürzer treten?

Heinzmann: Nein. Ich habe eine Woche im Bett gelegen und die Klappe gehalten. Dank Tee und Medikamenten bin ich jetzt wieder fit.

GA: Was ist dein größter Traum?

Heinzmann: Mein größter Traum ist, Kinder und Kindeskinder zu bekommen und die coolste Oma der Welt zu werden.

GA: Als Popstar bekommt man sicher viele Angebote. Hast du deinen Traumboy bereits gefunden?

Heinzmann: Nee, eigentlich bekomme ich gar nicht so viele Angebote. Ich denke aber, der Traummann wird sicher noch kommen. Im Moment wäre es eh schwierig, etwas in der Hinsicht auf die Beine zu stellen. Ich fühle mich auch gar nicht allein.

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